B.U.N.D. setzt Kosmetikfirmen unberechtigt unter Druck

SVHC candidate list

Der B.U.N.D. startet wieder eine Aktion zur Steigerung seiner Bekanntheit und Aufbau einer Datenbank.

Nachdem die Organisation B.U.N.D. bereits in 2014 Verbraucher mit der App „ToxFox“ verunsicherte und „Hormone in der Kosmetik“ (korrekter: „endokrine Disruptoren“) unterstellte, obwohl

  • dazu keine in der Kosmetik vorgeschriebenen Risikobewertungen vorgelegt, sondern nur die Gefahrstoff-Beurteilungen erwähnt wurden (siehe Wasser-Beispiel* unten)
  • die Belastung durch die täglichen Umwelteinflüsse von endokrinen Disruptoren aus Soja, Milch, Eiern, Bier, Weintrauben… unberücksichtigt blieben
  • die immer wieder zitierte „Verdachtsstoffliste vom 10.11.00“ veraltet ist
  • die aktuellere Liste für die JRC-Methodologie von 2014 nicht bekannt zu sein scheint (umfasst 51 Stoffe aus der Kosmetik/siehe Mitgliederbereich)
  • nicht eine einzige der JRC-Methoden genutzt wurde (siehe Bericht im Mitgliederbereich)
  • auch die nun aktuellen Methoden aus dem Kommissionsschreiben vom September 2016 keine Berücksichtigung fanden
  • viele vom B.U.N.D. negativ bewerteten Stoffe vom SCCS bereits bewertet und in der Anwendung in kosmetischen Mitteln für sicher befunden wurden.

ICADA hat bei der B.U.N.D.-Referentin auf der ICADA-Fachtagung vom 26.06.14 offiziellen Protest gegen diese irreführenden Argumentationen eingelegt. Es wurde stiller um die App. ToxFox wurde dann aber in Österreich relaunched und dort ebenfalls von den vorinformierten ICADA-Mitgliedern erfolgreich kritisiert.

Nun versucht der B.U.N.D., Verbraucher und Industrie mit der Frage nach Rohstoffen aus der offiziellen EU-Liste für besonders besorgniserregende Stoffe mit großem Risiko (SVHC) in kosmetischen Produkten zu verunsichern. In einer groß angelegten, automatisierten Aktion werden Firmen individualisiert angeschrieben und nach besonders besorgniserregenden Stoffen in den jeweiligen Firmen-Produkten und -Verpackungen gefragt, obwohl bereits Unterlagen aus der PID wie

  • die Sicherheitsberichte
  • und Zertifikate der Verpackungshersteller

dieses Risiko ausschließen und SVHC eher selten in Kosmetikprodukten vorkommen. Sie können Ihre Rohstoffe zur Sicherheit prüfen. Die offizielle „EU-Liste für besonders besorgniserregende Stoffe“ finden Sie hier SVHC candidate list.

Man übt Druck aus durch die Erwähnung eines an sich korrekten Zitats einer REACH-Auskunftspflicht im textlichen Zusammenhang, aber eine derartige Auskunftspflicht gibt es in der KVO gar nicht.

Bitte teilen Sie uns mit, wenn die bei Ihnen vom B.U.N.D. angefragten Produkt-Namen aus Ihren Code-Check-Anmeldungen stammen, denn das könnte zusätzlich Datenschutz-rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Wir sind für Sie da Ihr ICADA-Team

Wir berichteten zum Thema „endokrine Disruptoren“ bereits:

Die ARD-Sendung „Plusminus“ vom 17. Februar und die SWR-Sendung „Betrifft“ vom 24.02.16 schienen uns, Parabene beim Verbraucher schlecht und die App „ToxFox“ beim Verbraucher nochmals wieder bekannt machen zu wollen. Bei Plusminus wurde fehlende Kommissions-Tätigkeit kritisiert, obwohl die Ergebnisse der Kommissions-Tätigkeit und der Auftrag an das JRC zum Thema „Methodologie zur Beurteilung endokriner Disruptoren“ im Internet einsehbar sind.Die immer wieder zitierte Prioritätenliste ist durch die Kommissionsarbeit längst  mit einer Methodologie-Prüfliste abgelöst worden. Die ebenfalls betroffenen Soja-Lebensmittel in der Küche der vorgeführten Verbraucher fanden keine Erwähnung in der Sendung zum Thema „endokrine Disruptoren“.

ICADA hat sofort bei der EU-Kommission und beim Bundesministerium interveniert: neben dem Stop der Verunglimpfichung der noch wenigen übrig gebliebenen Konservierungen (Erhöhung der Allergie-Gefahr für die Bevölkerung durch geringere Konservierungsauswahl; siehe ICADA-Fachtagung „Pläne der EU-Kommission zum Erhalt der Konservierungsmittel-Vielfalt“) und einer Richtigstellung fordern wir Überdenken des „enthält keine Parabene“-Verbotes, weil die Industrie sich sonst nicht mehr leicht erkennbar auch von den verkehrsfähigen kosmetischen Stoffen distanzieren kann, deren Ruf von Behörden oder Medien gerade im Verständnis der Verbraucher geschädigt wird (siehe Mineralöle/MOAH, Aluminium….) und so wirtschaftliche Schäden nach sich zieht.

ICADA hatte bereits auf einer ICADA-Fachtagung der B-U.N.D-Vertreterin die u.E.sachlich falsche Basis der B.U.N.D-Beurteilungs-Strategie in Tox-Fox (Werbung „Hormone in der Kosmetik“) dargestellt. Diese u.E. falsche Beurteilungsbasis wurde in den beiden Fernsehberichten trotzdem wieder zum einzigen Beurteilungs-Maßstab gemacht. Die in der Kosmetik-Verordnung vorgeschriebene Risiko-Bewertung oder die neue JRC-Methodologie wurde im ARD-Beitrag einfach ignoriert und ging im SWR-Beitrag unter. Dafür wurden dem Zuschauer einfache Verbraucher als Beurteilungs-Experten vorgeführt. In der SWR-Sendung wurden verschiedene Fakten einfach aneinander gereiht und es konnte so der Eindruck eines kausalen Zusammenhangs zwischen Krebsentstehung und Kosmetik entstehen.

Die Behauptung, die Kommission sei untätig, ist nachweisbar falsch und wird von offiziellen Dokumenten widerlegt. Tatsächlich sind bereits circa 40 kosmetische Rohstoffe im JRC-Methodologie-Verfahren unter Prüfung. In den Sendungen wurden trotz allgemeiner Kenntniss natürlicher endokrin wirkender Inhaltsstoffe die Naturkosmetik als uneingeschränkte unbedenkliche Alternative benannt und die durch die VO 655-2013 beendete Werbung mit „konservierungsfreier Kosmetik“ kritiklos als Alternative dargestellt. Verbrauchergefährdung durch nicht SCCS geprüfte Alternativ-Konservierungsmittel oder verkeimte Hobby-Kosmetikherstellung wurde nicht bedacht. Es bleibt zu hoffen, dass Naturkosmetik nicht auf diese undiplomatische Weise in Fach-Diskussionen und dann auch noch in den Fokus  gerät.

Den Nachweis der Fragwürdigkeit der Behauptungen, den Kommissionsbericht über die Bewertung endokriner Disruptoren, Empfehlungen zum Verhalten gegen den Shitstorm und den Inhalt der Plusminus-Sendung finden Sie hier (Kapitel „endokrine Disruptoren).

Mediathek-Link zur Plusminus-Sendung vom 17.02.16: http://mediathek.daserste.de/sendungVerpasst#/Plusminus/Parabene-Gef%C3%A4hrliche-Zusatzstoffe/Das-Erste/Video?documentId=33488936&topRessort&bcastId=432744

Mediathek-Link zur SWR-Sendung vom 24.02.16 http://www.swrmediathek.de/player.htm?show=c21b1cb0-da25-11e5-bccf-0026b975e0ea

Die aufgezeichneten Sendungs-Videos erhalten ICADA-Mitglieder auf Anfrage. Die Liste der derzeitig in „endokrine Disruptoren“-Prüfung befindlichen Kosmetik-Rohstoffe erhalten Sie auf Anfrage

Vorschläge zur Reaktion auf die durch ToxFox generierten Anfragen finden Sie beim Klick hier