Mikroplastik: ICADA-Beschwerde bei der Umweltministerin, unkorrekte Berichte, falsche Verursacher-Zuweisungen

 

Ministerin Dr. Hendricks hat im Spiegel (Ausgabe 32/17) der Kosmetikbranche Untätigkeit bei der Vermeidung von Umweltschäden durch Mikroplastik vorgeworfen. ICADA hat sich über die falsche und fehlerhafte PR-Meldung bei der Ministerin beschwert (Kopie des Schreibens im ICADA-Mitgliederbereich).

ICADA hatte schon lange auf die diskussionswürdige Mikroplastik-Problem-Kommunikation hingewiesen (siehe unten) und die tatsächlich quantitativ bedeutenden Quellen offengelegt. Entgegen der wieder einmal nicht korrekten Darstellungen des B.U.N.D. trägt die Kosmetik keinen großen Anteil zu diesem Umweltproblem bei, wird aber immer wieder gern von selbsternannten Verbraucherschützern als „wehrloses“ Opfer für Schlagzeilen missbraucht (siehe auch „Hormone in der Kosmetik“). ICADA verteidigt die Kosmetik-Industrie auch in diesem Thema.

Unter anderen Maßnahmen erstellt und bewirbt ICADA nun die·

Transparenz-Liste „Mikroplastik: die Umwelt-bewussten Kosmetikfirmen“ 

und bietet die Aufnahme in die Liste, wenn sie auf Mikroplastik in Form von Peeling-Körnern verzichten. Sie können sich hier in die Transparenz-Liste eintragen. Die Liste wird auf verschiedenen Websites veröffentlicht und auch bei den geplanten PR-Aktionen der Presse zu Verfügung gestellt. Sie können Ihren Firmeneintrag dann auch kostenlos werblich nutzen.

Für Ihre Kundenanfragen empfehlen wir den Bezug auf die Studie der dänischen Umweltbehörde (Carsten Lassen et al.: Microplastics Occurrence, effects and sources of releases to the environment in Denmark; siehe Mitgliederbereich), die hauptsächlich Autoreifen-Abrieb, Gewebe-Partikel von Kleidung, Schiffsanstrichen, Fahrbahnmarkierungen und andere Quellen für Mikroplastik in den Weltmeeren herausgefunden hat. Es lohnt sich also, die Mengen und Verursachungsquellen zu relativieren und die Kosmetik ganz weit unten zu finden und sich damit relativ unbedeutend in der Problem-Verursachung wiederzufinden.

Unabhängig davon sollte man natürlich einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und synthetische Peelingkörner durch natürliche Varianten ersetzen.

Leider lässt sich aber das gesamte Kommunikations-Problem nicht so einfach lösen: BUND hatte in der UNEP-Studie von 2015 gelesen, dass Mikroplastik auch aus Acrylaten bestehen kann und daher wertet CodeCheck alle Produkte ab, die Acrylate in der Datenbank deklariert haben unabhängig von der physikalischen Parametern. So gelangen die Gelbildner unter Kritik. Auf Acrylate als Gelbildner, Konsistenzfaktoren und Stabilisierungskomponenten kann man nicht so einfach verzichten. Wir haben bereits Berichte von eingen Firmen erhalten, deren Produktbewertungen bei CodeCheck wegen des Vorhandensein von Acrylaten abgestuft wurden. Das Problem ist also weit verbreitet. Es empfiehlt sich auf die lange Sicht, auf eine CodeCheck-Listung zu verzichten, weil man eigentlich nie gelobt, sondern nur wenn möglich kritisiert wird.

Wie Sie auf der letzten ICADA-Fachtagung gehört haben, macht der B.U.N.D. die Kosmetikbranche wieder zum schwarzen Schaf, obwohl wir nur sehr geringen Anteil an der Weltmeer-Verschmutzung haben. BUND: “Da Abbauwege und Umweltauswirkungen von flüssigen Kunststoffen ungeklärt sind und ein nachträgliches Entfernen aus der Umwelt nicht möglich ist, muss gemäß dem Vorsorgeprinzip der Eintrag verhindert werden” (mit unseren Worten: weil BUND über nicht ausreichende Kenntnis verfügt, wird vorsorglich auf die Kosmetik geschossen).

Wir erlauben uns den Hinweis auf den merkwürdigen Begriff
„flüssige Kunststoffe“