Verbrauchertäuschung „Hormone in der Kosmetik“

Schlagzeilen wie „Hormone in der Kosmetik“ tauchen immer wieder in den Medien auf und schüren bei den Konsumenten die Angst vor vermeintlich krank machenden Inhaltsstoffen in kosmetischen Produkten. Besonders der Begriff „Hormone“ steht derzeit im Fokus.

Laut einer Studie des B.U.N.D. soll rund ein Drittel der industriell hergestellten Kosmetika „Hormone“ oder hormonähnliche Stoffe enthalten, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorzurufen. Bei den Verbrauchern schrillen ob solcher Schlagzeilen natürlich die Alarmglocken. Sind Kosmetika tatsächlich „hormonverseucht“ oder handelt es sich vielleicht um Meinungsmache von Print-Medien, TV-Magazinen bzw. Organisationen, um Auflagen, Zuschauerzahlen und Sponsorengelder zu steigern?

Kosmetische Produkte unterliegen der strengen Kosmetik-Verordnung. Hormone, also Stoffe mit androgener, gestagener oder östrogener Wirksamkeit sind in der Anlage II der Kosmetik-Verordnung ausdrücklich verboten und werden also auch nicht eingesetzt. Da der Begriff Hormon eine gewisse Signalwirkung besitzt, wird er gerne in den Medien pauschal verwendet. Ein Hormon ist aber ein physiologischer Botenstoff, der von speziellen Geweben im Körper produziert und in den Stoffwechsel abgegeben wird. Dieser Signalstoff setzt dann an bestimmten Zellen zugeordneter Organe spezifische Wirkungen oder Regulationsfunktionen in Gang. Tatsächlich berichtet man dann aber über endokrinen Disruptoren (eD): So werden Stoffe aus der Umwelt oder Nahrung des Menschen bezeichnet, die durch Einfluss auf das endokrine System (nicht nur  das Hormonsystem) die Gesundheit schädigen können, wenn sie in einer wirksamen Dosis in den Körper gelangen..Sie können synthetisch hergestellt werden, kommen aber auch zahlreich in der Natur vor. Zu ihnen gehören z. B. Isoflavone in Soja, Kichererbsen, Yamswurzel oder das Resveratrol in Weintrauben. Diese Pflanzen und andere Naturstoffe sind Bestandteil der täglichen Umwelteinflüsse des Menschen und haben nachgewiesenermaßen auch positive Auswirkungen, die aber von den Medien außer Acht gelassen werden. Ebenso wird die Tatsache verschwiegen, dass potentielle negative Auswirkungen der betreffenden Stoffe auch durch deren Verzehr etc. verursacht werden könnten.

In den kritischen Berichten wurden keine in der Kosmetik vorgeschriebenen Risikobewertungen vorgelegt, sondern nur die Gefahrstoff-Beurteilungen erwähnt. Zum Verständnis: Das wäre z. B. gerade so, als würde Wasser als tödlich eingestuft, weil bekannt ist, dass immer wieder Menschen im Wasser ertrinken. Ein eklatanter Fehlschluss. Außerdem wurde immer wieder eine veraltete Verdachtsstoffliste vom Jahr 2000 zitiert , wobei Fachleuten eigentlich eine aktuellere Listung der EU-Kommission von 2014 bekannt sein sollte.

Schon Paracelsus wusste, dass die Dosis das Gift macht. Diese wichtige Zusatz-Überlegung wurde  ignoriert, es wurde einfach unterstellt, dass jede noch so kleineste Menge sofort den gleichen Effekt hat wie die als Risikogrenze bewertete Menge. Es wurden alte Absichtslisten als Forschungsergebnisse deklariert und Laboruntersuchungen ohne praktischen Bezug als Beurteilungsbasis herangezogen. Es werden also Fakten vorgetäuscht, für die es keine anerkannten Grundlagen gibt. Dagegen existiert eine Vielzahl anerkannter wissenschaftlicher Studien, auch von amtlichen Stellen, die die Sicherheit und gesundheitliche Unbedenklichkeit der betreffenden Rohstoffe bestätigen.

Noch sind die Forschungen zur Auswirkung endokriner Disruptoren nicht abgeschlossen. Deshalb ist es unseriös, auf der Basis einer unvollständigen Datenlage die Konsumenten „im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes“ (Alibi-Argument) zu ängstigen und zu verunsichern. Medienberichten, die auf die schockierende Wirkung von „Hormonen in der Kosmetik“ setzen, sei also mit kritischer Distanz zu begegnen.

Quelle ICADA 2017-08-24